„Es mussen stimmen!“ – Das erste Multiple der edition linie

„Es mussen stimmen!“

Das erste Multiple der edition linie

Etliche Transformationen hatte die ursprüngliche Idee, eine der wichtigsten Kostümbildnerinnen des Deutschen Films und Fernsehens angemessen zu würdigen, hinter sich: von der Biografie über ein überdimensioniertes crossmediales Projekt hinunter gebrochen zum simplen Katalog, erneut hoch bis zum Dokumentarfilm angedacht und wieder verworfen. Schön sollte es sein: elegant und anspruchsvoll, schick, keineswegs protzig, etwas ganz Besonderes, eben seiner Protagonistin angemessen. So wurde ein „multiple“ daraus.

„Unter einem Multiple (deutsch: Auflagenobjekt) versteht man eine künstlerische Arbeit, die in der Gegenwartskunst der Druckgrafik im dreidimensionalen Bereich entspricht, aus einer bestimmten Anzahl von seriell hergestellten Objekten besteht und vom Künstler als Multiple autorisiert ist. Die Einzelobjekte sind dabei ökonomisch, materiell und ästhetisch gleichwertig. Jedes Objekt reflektiert die Existenz und Abwesenheit der anderen Objekte.“Es-muss-stimmen-web

Im Falle der Kostümbildnerin Ingrid Zoré besteht es aus einer 80 seitigen, eine facettenreiche Vita beschreibende „Schweizer Broschur’“, 30 großformatigen hochwertigen Kunstdrucken ihrer gezeichneten Figurinen oder Fotos der von ihr noch in der „Theaterkunst“, dem größten europäischen Kostümfundus, erhaltenen historischen Kostüme. Dazu ein Panoramafoto eben jener Kostüme, verpackt in einem schwarzen edlen Karton.

Fertig gedruckt und abzuholen am 10. Mai 2016 im Bremer Medienhaven, ins Auto gehievt und ab nach Berlin. Auslieferung an die Deutsche Kinemathek noch am gleichen Abend, vorgestellt tags drauf in den Räumlichkeiten der Kinemathek am Potsdamer Platz anlässlich des „events“ zum 80. Geburtstag von Ingrid Zoré, die gleichzeitig in diesem Jahr ihr 55 jähriges Berufsjubiläum feiert. Als Überraschungsgast sang Max Raabe ein Ständchen. Es war ein schönes Fest.
Aber was war ihm vorausgegangen?

So schnell werden drei Studierende der Kunstschule Wandsbek und ihr Dozent, aber auch die Autorin diese hektischen Wochen des Frühjahrs 2016 nicht vergessen.
Schon zwei Jahre zuvor hatte Birgid Hanke für ihren in Gründung befindlichen Verlag „edition linie“ einen kleinen Wettbewerb bezüglich Entwicklung einer corporate identity ausgeschrieben, den Nadine Freye gewann.
Die C.I. stand – und dann?
War der Verlag, noch ehe er sich der Öffentlichkeit vorstellte, schon wieder in der Versenkung verschwunden? Es hatte den Anschein. Aber hinter den Kulissen tat sich einiges.
Sechs Jahre ist es her, dass Birgid Hanke im Rahmen ihrer journalistischen Tätigkeit der Kostümbildnerin erstmals begegnete. Als Expertin für den Studiengang Kostümbild Film und Fernsehen hatte sie Ingrid Zoré interviewt. Und die Expertin sprudelte los.

„Sie sollten ein Buch schreiben“, sagte die Autorin. „Det kann ick nich‘.“ „Da könnte ich Ihnen vielleicht helfen.“
Und erst wieder einmal Sendepause, aber eine Idee begann zu keimen.

Darauf folgten Projektentwicklung, Projektbeschreibung, Projektanträge in 16 facher Ausfertigung. Abgelehnt, abgelehnt, abgelehnt! Erst im vierten Anlauf kam von der Kulturstiftung der VGBild/Kunst eine kleine finanzielle Spritze. Zumindest konnte die Autorin sich endlich ihrer Kernkompetenz besinnen und zu schreiben beginnen.

Und die Gestaltung? Erneut wandte sich Birgid Hanke an den Dozenten Gerd Jegelka, ob er sich vorstellen könne… Und er konnte und suchte das Team Kristin Kerbs, Tim Jähnz und Lars Gorath zusammen, alle im sechsten Semester und Studenten bei ihm. Man traf sich. Die Autorin erklärte ihr Vorhaben. Wie viele Treffen es gab, ist nicht mehr nachvollziehbar. Sie fanden nach dem regulären Unterricht in der Schule statt. Aber von Müdigkeit keine Spur.

Und auch die gute Laune ließ sich das Trio nicht verderben, nämlich dann, als die Einwände aus Berlin kamen. Für die Studierenden tauchte überraschend eine Lektorin aus dem fernen Berlin auf, zauberte einen eng gestrickten Zeitplan hervor und nahm alle an die Kandare, einschließlich der Autorin, Ideenfinderin, Projektmanagerin und Verlegerin in Personalunion. Diese war dankbar für ein hochprofessionelles Lektorat, was das Gestalterteam eher erstaunte.

Die anfängliche Irritation löste sich, etwas zäh zunächst, im Laufe der Zeit im wahrsten  Sinne des Wortes in Wohlgefallen, – eben in der Einsicht, es diene schließlich alles nur dem Ergebnis -,  zufriedenstellend auf.

Wochenenden wurden durchgearbeitet, auf freie Tage verzichtet, Nachtschichten waren unvermeidbar. Niemals verloren Kristin, Lars und Tim ihre Motivation und gute Laune. Missverständnisse, Kommunikationspannen, alles dabei: eine sich die Haare raufende Lektorin in Berlin, der aber trotzdem nicht der Geduldsfaden riss. Der Anblick der per Kurier direkt in die Schule gesandten Korrekturfahnen zeugten von ihrer beruflichen Unerbittlichkeit. Korrekturzeichen lernen, Registerhaltigkeit überprüfen, auf korrekte Platzierung der Seitenzahlen achten und und und…. Dabei stets Höflichkeit und Contenance wahren. Ging alles!

Trotz durchaus gegensätzlicher Auffassungen der Beteiligten zogen letztendlich alle an einem Strang. Einschließlich der  Firma Medienhaven mit ihrer Steintorpresse, der das gesamte Team einen Besuch abstattet und von Geschäftsführer Peer Rüdiger einen spontanen Crashkurs in Drucktechnik erhielt.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Wer sich ein Bild machen vom Ergebnis dieses Prozesses machen möchte, sei herzlich eingeladen am 3. September 2016 um 20.00 in der Villa Sponte, Am Osterdeich 59 b, 28203 Bremen.
Offizielle Präsentation des Multiples „Es muss stimmen“. Ingrid Zoré wird persönlich anwesend sein.
http://www.literaturhaus-bremen.de/events/birgid-hanke-es-muss-stimmen/

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